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Renovation Wohnhaus „Im Moos“, Windisch/AG

Das Einfamilienhaus „Im Moos“ wurde 1968 vom Architekten Hans Kuhn für einen Bauingenieur mit seiner Familie erstellt. Hans Kuhn zeichnete in der Region beispielsweise für das Schulhaus Villnachern. Seine Bauten spiegeln die gemässigte skandinavische Moderne, die damals in der Schweiz Fuss fasste: Klare Linien kontrastieren einen grosszügigen Einsatz von Fichten- und Eichenholz, grobe Putzstrukturen treffen auf Sichtbeton mit klar lesbarer Brettstruktur.

Die Architektur war weitgehend im Originalzustand und wies eine hohe gestalterische Qualität aus. Baulich waren wenig Mängel zu verorten, eine solide Konstruktion, die gut unterhalten worden war.

Auch der Bauherrschaft lag der Erhalt der bestehenden Qualitäten am Herzen. Eine räumliche Veränderung erfolgte nur im Bereich des zentralen Wohnraums: Die Küche wurde im Rahmen ihrer Erneuerung etwas offener an den Essplatz herangeführt, die etwas hermetische Durchreiche durch ein offenes Buffet ersetzt.

Bestehende Einbauten und Oberflächen wurden weitgehend erhalten, so zum Beispiel die Platten in den Bädern. Fehlerhafte Stellen wurden kunstvoll ausgewechselt und den neuen Sanitärapparaten angepasst. Am Boden kam ein geöltes Parkett zum Einsatz, die ursprünglich weiss gehaltenen Wände wurden mit den natürlichen Farben von kt.COLOR in ein sanftes „terre d‘ombre“ getaucht.

Zum Energiekonzept

Für eine fossilfreie Wärmeerzeugung standen die Optionen Wärmepumpe oder Pelletheizung zur Auswahl. Die Bauherrschaft entschied sich für eine Pelletheizung von Ökofen: Der Tankraum der alten Ölheizung bot im Haus grosszügig Platz für ein 7-to.-Pellettreservoir. Umgekehrt waren die bestehenden Heizkörper auf eine hohe Vorlauftemperatur ausgelegt, was den Wirkungsgrad einer Wärmepumpe ungünstig nach unten gedrückt hätte. Der Einbau einer Fussbodenheizung hätte hier aufwändige Folgemassnahmen nach sich gezogen.

Dach und Kellerdecke wurden umfassend gedämmt, die Fenster inklusive deren Rahmen ersetzt. Wärmebrücken in den Böden oder Rollladennischen wurden hocheffektiv mit Aerogel ausgekleidet. Die alten Rollläden waren später durch Rafflamellen ersetzt worden, neu kamen Ausstellmarkisen mit einem roten Behang von Sattler zur Anwendung. Eine spezielle Herausforderung war der Ersatz der grossformatigen Terrassenfenster.

Die Dachfläche bot sich ideal für eine PVA an. Das Projekt wurde kurzfristig zurückgestellt, da die Gemeinde die Einspeisevergütung kurzfristig nach unten korrigierte, was das Payback über die kalkulierte Lebensdauer der Anlage hob. Mit Blick auf eine erfolgreiche Umsetzung der Energiestrategie 2050 wird sich dieser Wert wieder einpendeln wollen.

Das Projekt zeigt gut auf, wie eine energetische Ertüchtigung auch gestalterisch schonend ausgeführt werden kann. Eine Aussendämmung hätte diesen Zeitzeugen unglücklich geprägt. Das Gebäude erreicht neu die GEAK-Gesamtenergieeffizienz B. Für eine Zertifizierung nach Minergie® hätte übrigens noch eine Grundlüftung eingebaut werden müssen. Die Bauherrschaft verzichtete darauf, im Wissen das verantwortungsvolles Stosslüften als energetisch gleichwertig betrachtet werden darf.

Auftraggeberin
Privat

Leistungen
Architektur, Generalplanung, Bauleitung

Planer-Team
Bauingenieur: MWV Bauingenieure AG, Baden
Bauphysik: Amstein + Walthert, Zürich

Realisierung Juni 2021 bis Oktober 2021